Ein Kommentar: Über Diäten, Dicksein und (doch noch) schlank werden. Die Chance lebt, weiß Elisabeth Stadlbauer

Achtung: Jetzt wird Klartext geredet! Nach 20 Jahren Diätleben und chronisch wiederkehrenden Gewichtsproblemen darf man das! Beim Schreiben der hundertsten Diät-Story (und beim Lesen) darf man sich auch amüsieren! Weil – noch immer – kein anderes Thema (außer Sex) so gefragt ist! Und weil es den wenigsten von uns betroffenen gelingt, dauerhaft zu „erschlanken“. Der Wunsch abzunehmen ist und bleibt jedoch stärker als jede Enttäuschung. Abnehmen ist aber nicht etwas, was man einfach mal so tut und dann erledigt hat. Das mag daran liegen, dass wir oft falsche Motive haben oder etwas werden wollen, was wir eigentlich nicht sind! Das ist generell ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen! Wir reden hier freilich nicht von krankhaftem Übergewicht, das immer in die Hände von Spezialisten gehört. Wir reden von jenem Hüftgold, das dem Ideal von Schlanksein widerspricht, dem wir uns offenbar verpflichtet fühlen. Wir reden vom „Schlank-Sein-Wollen“ und seinem direkten Gegenspieler, der Genussfreude, dem größten Feind des Durchhaltens! Wir sind schwach, aber krank sind wir nicht! Auch wenn Mediziner Dr. Burkhard Jahn sich sehr sicher ist, dass der Dicke nicht glücklich ist. In seinem Buch „das dicke Ende” sagt er recht brachial: „Glücklich und gesund – Schlanksein ist dafür eine wesentliche Voraussetzung“!

9783991001485Milde und Nachsicht würden die „Krankheit“ nur verstärken, sagt er: „Ich sehe Sie (Anmkg. die schwer übergewichtige Leserin) nicht als gemütlichen Moppel, sondern als kranken Menschen“, sagt er tatsächlich. Man müsste einen Rüpel in ihm vermuten, wüsste man nicht um seine echte Sorge und gute Absichten. Wachrütteln? So bitte nicht! Mangelnde Selbstliebe ist weitaus pathologischer als ein BMI 30! Siehe Quick Check! Man kann sich diesem Thema auch mit mehr Selbstliebe und Humor nähern … und Neugierde. Ich lese ja von Berufs wegen die neuen Diätbücher, und viele überraschen mit neuen Ideen und Tipps. Klar, nicht auf FDH („Friss die Hälfte”) reinzufallen, weil es mehr Muskeln als Fett abbaut, das wissen wir schon, dass wir nach dem glykämischen Index essen sollen – Stichwort Insulinfalle –, auch! Wer dick ist, ist nicht zwingend auch vergesslich. Auch die Aufforderung „Keine Diäten mehr“ hört man seit Jahren – doch Vorsicht, das ist eine Sackgasse, obwohl es verlockend wäre! Natürlich muss man Diät halten, vor allem dann, wenn die Gesundheit zu leiden droht (nicht nur das Spiegelbild). Es geht um Veränderung im Leben, um Verbesserung, und dazu bedarf es ganz klar einer Diät – δίαιτα (díaita), im Sinne von „Lebensführung“! Dass diese nicht einseitig oder extrem sein darf, sollte man heutzutage auch nicht mehr erklären müssen.

30 wholeDas Wissen hätten wir, aber den Willen nicht! Dass die Gelenke, vor allem Knie- und Sprunggelenke, bei Übergewicht mehr leisten müssen, als ihr Bauplan vorsieht, auch das wissen wir! Dass Kalorien nicht am Sofa verbrennen, wenn man es sich nur fest genug wünscht, ebenso. Wir kokettieren gekonnt mit dem inneren Schweinhund. Dass schlank und gesund nicht zwingend Hand in Hand gehen, ist da ein willkommenes Argument. Mehr denn je erleben wir Essen und Körper als Parameter für Lebensqualität und auch Identität! Auch der „Genuss“ spielt eine Hauptrolle. Gesundheitsapostel der alten Schule nerven uns nur, oder? „Das Thema Esskultur ist sozusagen ein Vergrößerungsglas, anhand dessen größere gesellschaftliche Veränderungsprozesse verstanden werden können“, erklärt Judith Ehlert vom Institut für Internationale Entwicklung der Uni Wien. Da haben wir ja Glück gehabt: Alles in allem ein sympathisches, für Hedonisten traumhaftes Genussklima, in dem wir leben … allein besagte Willenskraft findet wenig guten Nährboden … Aber beginnt wirklich alles mit dem Essen? So lautet der deutsche Titel der langersehnten Ausgabe des New York Times-Bestsellers zu „Whole30“ (im August im riva Verlag): „Alles beginnt mit dem Essen. Gesund und fit durch Paläo-Ernährung“ …

Die Hartwigs also und ihre Steinzeiternährung, Dallas and Melissa, Berühmtheiten der Szene! Der Speiseplan besteht aus Fleisch, Fisch, Eiern, Obst und Gemüse. Verboten sind während der 30 Tage Zucker, Alkohol, Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukte. Das propagierte Ergebnis: Auch hartnäckige Essgewohnheiten werden nachhaltig umgestellt… Schön und gut, und sogar ausprobiert! Folgendes ist passiert: Ich habe mich zur besten Steakköchin der westlichen Hemisphäre gemausert, brav 10 Kilo abgenommen, dann aber kam mir ein in unseren Breiten gängiges Hindernis in die Quere: Weihnachten! Das Paleo Vanillekipferl muss erst erfunden wurden, und auch ich muss mich ein weiteres Mal „neu erfinden“. Macht nichts, gehen lernen Kinder auch nicht beim ersten Versuch und auch nicht beim zweiten.
Schmidt Jetzt im Ernst: Es gibt viele Paleo-Verfechter, die dauerhaft schlank sind. Mein bislang nachhaltigster Diäterfolg hielt über zwei Jahre – nach einer (länger als 30 Tage dauernden) Metabolic Balance-Kur war der Stoffwechsel optimiert. Dann kam der Wechsel und mit ihm eine neues Repertoire an Ausreden, ich gebe es ja zu! Angenehm motiviert hat mich inzwischen „Nie wieder dick” von Susanne Schmidt. Sie fuhr zum Abnehmen in die Spessart Klinik nach Bad Orb, wo sie die 30g-Fett-Methode kennenlernte. Sie nahm 57 Kilo ab, 2006! Sie ist noch immer schlank und schrieb jetzt ihr zweites Buch, „Rezepte für Berufstätige“. Die Methode hat man schnell raus (siehe Übersicht), Frau Schmidt, gratuliere!

amonVom Schlankbleiben hat auch Ingrid Amon Ahnung! 25 Kilo abgenommen, vor 20 Jahren! Ihre Strategie mit den „zehn Balancefaktoren“ erklärt sie witzig und klug in ihrem Buch. Vor allem das wohltuend ehrliche Kapitel vom „Wenn-dann”-Dasein muss man lesen. Sie schreibt davon, dass zwar vieles besser wird, wenn man schlank ist, aber die Generallösung für all die Hürden und Bremsen im Leben ist es auch nicht. Man wird dünner aber nicht zwangsweise auch besser in der Alltagsbewältigung. Was uns wieder zu den Diät-Motiven führt …

Besonders schlau und erfolgreich in Sachen „Rundum-Erneuerung“ ist Achim Sam – einst auch ein Pummelchen, heute reist der Feschak im durchtrainierten Body von Vortrag zu Vortrag. „Clean your Life, in sechs Wochen zur Bestform“ präzisiert seine „12 Rules“ für einen ausgewogenen Lifestyle – die hohe Schule des Wellbeing! Sehr jung, sehr spritzig, sehr sportlich. Meine Freundinnen mit Hormonschwankungen finden ihn toll, scheitern aber am Fitnessprogramm. Hier mein Tipp: Achim SamEs gibt humanere Personal Trainer! „Natürlich essen und trainieren, um aus Fett Muskeln zu machen“, sagt meiner auch immer, der drahtige Igor. Leider feierten wir Trainingserfolge ab und an mit Wodka … Was mich schließlich wieder von der Aschenbahn auf die schiefe Bahn brachte … Spaß! Ich bin Igor treu wie auch meinem Vorhaben meine Körper zu entlasten … Die „Meeresdiät“ wird gerade durchexerziert … Es sieht gut aus, und schmeckt! Mehr dazu in der – na was hunderteinsten Diätstory! Bleiben Sie mir treu!

 

 

 

 

 

Übersicht

Die aktuellsten Strömungen im Diät Kosmos
Die Experten und Ihre Methoden im Überblick

Die Experten             Das Prinzip Die Methode
Susanne SchmidNie wieder dick(Heyne) Prinzip Low Fat! Gegenpart zur (gerade noch) vorherrschenden Low Carb-Bewegung 30 g Fett am Tag, Sport– ein gutes Vorbild! Fr. Schmid ist keine „Fundamentalistin“, bodenständig! Angenehm! Machbare Rezepte!
Ingrid AmonMein Essbuch(Nymphenburger) 10 Balancefaktoren Verhaltensänderungen sind im Fokus.Sie empfiehlt FX Mayr, „Kauschule“– sehr plausibel, die Identifikationsrate hoch!
Dr. Burkhard JahnDas dicke Ende (Braumüller) Low Carb Prinzip, Insulinfalle geht auch auf soziale Komponenten ein, will mit „Schocktherapie” wachrütteln – wohl etwas zu extrem! Er erklärt als Mediziner   den Stoffwechsel hervorragend!
Achim Sam NEUClean your Life(Zabert Sandmann) CYL Prinzip Clean for Life – in sechs Wochen zur Bestform 12 Regeln zur Gesundheitsförderung, Abendessen darf man bei Sam! Das Food Timing ist etwas kompliziert, das Training wirklich fordernd! Top für jüngere Menschen! Und Junggebliebene!
Oberbeil/CoudretWarum Fische nie dick werden (systemed) Jung & schlank mit Meeresfrüchten = Mittelmeerdiät reloaded mit Fokus auf Omega 3 Fettsäuren, Algen und Jod. + 7 Tage „Fatburning“Meeresdiät mit Genussfaktor! Ideal auch zum Adjustieren des Gewichtes zwischendurch
Dallas & Melissa Hartwig: Whole30(riva) Power-Paleo-Grundschule mit dem Whole30-Programm. Sehr US-lastig, logisch. Fokus auf Nahrungsergänzungen, Kartoffeln sind mittlerweile erlaubt!Top Grundregel: keine Waage 30 Tage lang. Es geht um so viel mehr als nur um Gewichtsverlust.

 


Quick-Check

Body IQ – die Basics
Überspringen Sie niemals die Gegenwart!
Direkt erleben können wir nur den Augenblick. Das alleinige Setzen und Hoffen auf die Zukunft („Montagsdiättyp“) sind nur Vorstellungen vom Leben aber niemals das Leben selbst. Es ist
anstrengend und nicht befriedigend.

Wie klingen Sie, wenn Sie von Ihrem Körper sprechen? Sagen Sie, er bereite Ihnen Kummer oder er gerate aus der Form? Er lasse Sie im Stich? Nicht gerade nett! Gut gehen Sie wohl nicht um mit dem, was Ihr „größtes Kapital“ verwaltet, die Gesundheit … Oder?

Bauen Sie auf die präventiven und auch regenerativen Kräfte Ihres Körpers. Seine Kontrollmechanismen und Warnsysteme zu verstehen ist die Basis eines guten Lebens. Sprechen Sie schon seine Sprache?


coverBeitrag in voller Länge in der aktuellen Ausgabe WELLNESS MAGAZIN EXKLUSIV!
Werfe HIER einen Blick ins Heft!

 

Titelfoto: ASA Selection