Sieben Antworten zu Psoriasis

Frau Dr. med. Esche-Belke ist die erfahrene Fachärztin für integrative Medizin und Ästhetik. Seit vier Jahren führt Sie eine eigene Privatpraxis in Berlin. Uns beantwortete Sie sieben Fragen zur weit verbreiteten Hautkrankheit Schuppenflechte (Psoriasis). Sie gibt dabei herzbewegende Eindrücke über das Leben der Betroffenen wieder.

Was ist Schuppenflechte?
„Laut WHO ist die Schuppenflechte eine der schwersten nichtinfektiösen Krankheiten der Welt. Als eine der häufigsten Hauterkrankungen sind  allein in Deutschland mehr als 2 Millionen Menschen betroffen; weltweit ca. 125 Millionen! Die Erkrankung beruht auf einer genetischen Veranlagung und geht mit sichtbaren Krankheitssymptomen einher. Typische Zeichen sind Rötung und eine silbrige Schuppung der Haut, Brennen, schmerzhafte Hauteinrisse und Jucken. Meist sind die Außenseiten der Ellenbogen, die Kopfhaut, Nägel, die Kreuzbeinregion, die Haut hinter den Ohren und die Knie betroffen. Nach Erkrankungsbeginn verläuft die Schuppenflechte meist in Schüben, es können Menschen in jedem Alter betroffen sein, die Erstmanifestation  erfolgt meist vor dem 40. Lebensjahr (meist zwischen 15-25 Jahren). Dieser Typ 1 hat oft einen schwereren Verlauf und andere Familienangehörige sind ebenfalls betroffen. Der Typ 2 zeigt in der Regel eine mildere Verlaufsform und selten gehäuftes Auftreten innerhalb der Verwandtschaft.
Auch wenn die Psoriasis als nicht heilbar gilt, gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen. Bei manchen Menschen tritt sie permanent auf, bei anderen nur selten oder sogar nur einmal im Leben auf und heilt sie dann scheinbar aus. Leider gibt es auch schwere Verläufe, die andere Organe in Mitleidenschaft ziehen und Haut und Gelenke zerstören.”

Wie wird Schuppenflechte diagnostiziert?
„Bei genauer Befragung und gründlicher Untersuchung der gesamten Haut kann der Arzt die Diagnose oft schon per Blickdiagnose feststellen. In manchen Fällen ist die Untersuchung der Haut unter dem Mikroskop notwendig, dafür muss eine Biopsie vorgenommen werden. Bei weiteren Symptomen ist eventuell eine Blutuntersuchung und ein Röntgenbild notwendig. Dann folgt eine genaue Einteilung nach Schweregrad und Organbeteiligung, um die Therapie festzulegen.”

Welche Begleiterkrankungen können auftreten?
„Bei der Psoriasis mit Beteiligung der Nägel (50-80% der Behandlungsfälle) kommt es doppelt so häufig zu einer Mitbeteiligung der Gelenke, der sogenannten Psoriasis Arthritis (30% der Patienten). Es können auch andere Organe betroffen sein, wie z.B. Leber, Herz, Gefäße und Augen. Die Schuppenflechte gilt als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen.”

Welche Probleme haben Psoriatiker im Alltag?
„Wenn man in die Medizingeschichte zurückblickt wird deutlich, wie negativ die Erkrankung behaftet war – und leider aus fehlender Kenntnis oft noch ist. Sie wurde mit Lepra und Geschlechtskrankheiten verwechselt und konnte lange nicht von der Krätze, durch Milben verursacht, unterschieden werden. Erkrankte wurden bis ins Mittelalter von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Es ist auch heute immer noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, um Betroffenen ein vorurteilfreies Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen.

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Verschiedene Faktoren führen bei den Betroffenen zu starker seelischer Belastung, dazu zählen vor allem die sichtbaren Symptome an der Haut, den Nägeln und dem Haaransatz. Äußerliche Zeichen der Erkrankung führen oft zu massiven Einschränkungen und sozialer Isolation. Aus Scham werden beispielsweise Besuche im Schwimmbad oder in der Sauna gemieden, am Arbeitsplatz kann es aufgrund von Unwissenheit zu Ausgrenzung kommen, oft wird der Jahreszeit oder Figur unangemessene Kleidung getragen, um die befallenen Hautstellen zu verdecken. Da jegliche mechanische und chemische Reizung der Haut zum erneuten Ausbruch oder zur Verschlechterung des Krankheitsbildes führen kann, ist der Betroffene in vielen Lebensbereichen stark eingeschränkt. Lange heiße Bäder oder ausgiebiges Sonnenbaden wirken sich negativ auf den Verlauf aus. Putz- und Reinigungsmittel müssen sorgfältig ausgewählt werden, da Psoriasis-Haut meist sehr reizempfindlich ist.

Immer noch ein Tabuthema ist der Befall der Geschlechtsorgane. Neben schmerzenden, oft juckenden Läsionen und sichtbaren Veränderungen geht diese Art der Psoriasis oft mit einer massiven seelischen Belastung einher, die das Sexualleben der Betroffenen stark beeinträchtigt. Der Juckreiz, der bei bis zu 80 Prozent der Betroffenen auftritt, gehört für viele Patienten zu den unangenehmsten Symptomen. Kratzen ist strengstens verboten, da dies den Krankheitsverlauf weiter vorantreibt. Starkes Jucken in Verbindung mit ständigem Kratzbedürfnis kann mit dauerhaften Schmerzen gleichgesetzt werden. Oft führt dies zu Depressionen, starker Tagesmüdigkeit, und Superinfektion mit Bakterien an den aufgekratzten Hautstellen.”

Welche Therapieformen gibt es?
„Mittlerweile gibt es je nach Ausprägung der Erkrankung sehr unterschiedliche Herangehensweisen:
Die schulmedizinische medikamentöse Therapie umfasst den Einsatz von Kortison-Präparaten zur äußerlichen und in schweren Fällen auch zur oralen Einnahme, um den Entzündungsprozess zu unterdrücken. Sogenannte Antihistaminika sollen den Juckreiz lindern. Harnstoff wird zur Unterstützung der Regeneration der Haut verwendet. Vitamin-D-Abkömmlinge (z.B. Calcipotriol) steuern Immunprozesse und die Regeneration auf der Haut. Weitere Medikamente, die auf das Immunsystem wirken, sind Methotrexat zur innerlichen Anwendung bei Organbeteiligung, leider aber auch mit schwerwiegenden möglichen Nebenwirkungen. Die sogenannten Biologika (Biologicals) werden bei Patienten eingesetzt, bei denen die klassischen Therapien nicht vertragen werden oder unwirksam sind. Biotechnologisch hergestellte Substanzen erweisen sich oft als besonders erfolgreich. Nicht zu vergessen die Lichttherapie, oft in Kombination mit Retinoiden (Vitamin A Abkömmlingen). Hierbei ist aufgrund von fruchtschädigenden Nebenwirkungen jedoch Empfängnisverhütung notwendig. In den letzten Jahren sind Phosphodiesterasehemmer wie Apremilast zugelassen worden. Diese neuen Medikamente bieten neue Behandlungsmöglichkeiten, um bei mittleren und schweren Verläufen einer Organbeteiligung entgegen zu wirken. Unterstützend kommen häufig Licht-, Laser-und Balneotherapie zum Einsatz. Auch wenn genetische Faktoren auslösend wirken, ist davon auszugehen, dass das fehlgeleitete Immunsystem die Krankheit aufrechterhält.”

Wovon raten Sie ab?
„Generell rate ich von sehr einseitigen oder inkonsequenten Therapien ab. (z.B.: Immer Cortison auf die Haut oder nur ab und zu wenn es ganz schlimm ist). Die Vielzahl der Behandlungsansätze verdeutlicht, dass für jeden Patienten eine individualisierte Therapie, die sich dem Krankheitsverlauf des Patienten anpasst, ausgearbeitet werden sollte.”

Was können Patienten begleitend tun um das Leben mit der Erkrankung erträglicher machen?
„Eine besonders wichtige Basisbehandlung ist neben den oben genannten integrativen Therapien eine gute und kontinuierliche Hautpflege, die das Austrocknen der Haut verhindert, den Juckreiz lindert und auch in symptomfreien Zeiten konsequent weitergeführt wird. Damit wird die Regeneration und Selbstheilung der Haut unterstützt, das Hautbild bleibt geschmeidig und Entzündungen werden vorgebeugt. Ich habe mit meinen Patienten sehr gute Erfahrungen mit einer ayurvedischen Hautpflege- Creme gemacht. Es werden ayurvedische Kräuter wie Neem, Rubia Cordifolia, Kurkuma und Wrightia Tinctoria verwendet. Zusätzlich ist Kokosöl enthalten, das rückfettende Eigenschaften hat. Die rein natürlichen Inhaltsstoffe sind gut verträglich und die hochwertigen Pflanzenöle versorgen die Haut mit viel Feuchtigkeit.”

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Fotos: Dr. Esche-Beke, Sorion

 

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