Erstmals wurde in Österreich erfolgreich einer Blinden ein Augen-Chip implantiert!

10 Tage nach der Operation berichten die Chirurgin und die Patientin über den erfolgreichen Verlauf und die ersten Lichtblicke nach beinahe dreißig Jahren Blindheit.

Das Argus II Retinaprothesensystem stimuliert direkt im Auge die verbliebenen Netzhautzellen und erzeugt so Lichtmuster, die vom Gehirn wahrgenommen werden können. Auch auf der 33. Jahrestagung der American Society of Retina Specialists, die derzeit in Wien stattfindet, ist die hochkomplexe Sensations-OP ein großes Thema. Diese innovative Behandlungsmethode ist nur für einige bestimmte Arten einer erst im Lauf des Lebens entstandenen Blindheit möglich.

Am 30. Juni wurde in der Wiener Rudolfstiftung eine herausragende medizinische Leistung vollbracht und gleichzeitig einer Wienerin ein Lebenstraum erfüllt. Hildegard Monschein war seit ihrem 29. Lebensjahr durch eine Krankheit mit dem medizinischen Namen Retinitis pigmentosa (RP) blind. Die Frau meisterte ihre Situation und blieb trotz aller Schwierigkeiten im Arbeitsleben. Doch ihr großer Traum, wieder etwas sehen zu können, wurde erst beinahe 30 Jahre später erfüllt. Vor einigen Jahren fand Sie heraus, dass es bei ihrer Erkrankung eine neue Behandlungsmethode mit einem Netzhautimplantat gibt. Sie wandte sich direkt an das amerikanische Unternehmen Second Sight, welches den Kontakt zu der Wiener Augenchirurgin Prim.a Univ.-Prof.in Dr.in Susanne Binder herstellte. Nach einer intensiven Vorbereitungsphase, in der Frau Prof.in Binder bei Operationen in anderen Ländern teilgenommen hat und von der Herstellerfirma umfassende Schulungen erhielt, konnte die Operation durchgeführt werden.

10_Binder_mit_Patientin_Monschein_c_C.Mierau_KAVVerlauf und einstweiliges Ergebnis der Operation
Die Operation selbst dauerte etwas mehr als drei Stunden. Bei der OP wird der Glaskörper des Patienten entfernt und ein Silikonband um den Augapfel gelegt. An dem Silikonband ist der Chip befestigt. Der Chip ist mit einer Elektrodenplatte verbunden, die direkt an der Netzhaut mit einem winzigen Titannagel befestigt wird.
Prim.a Univ.-Prof.in Dr.in Susanne Binder erklärt stolz: „Schon am Beginn meiner Karriere als Augenärztin wollte ich blinde Menschen zum Sehen bringen. Jetzt sind wir diesem Traum einen Schritt näher gekommen. Die Grundlage dafür sind mehr als 20 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der vitreoretinalen Chirurgie und das stetige Interesse an neuen Technologien, das ich gemeinsam mit meinem Team habe. Ich hoffe, dass in Österreich auch die Implantation an weiteren geeigneten Patientinnen und Patienten möglich sein wird.“ Die Patientin Hildegard Monschein ergänzt: „Ich habe mir diese Operation, dieses Implantat schon sehr lange gewünscht. Es geht mir gut, aber ich weiß auch, dass es noch ein intensives Training benötigt um meine Sehleistung zu verbessern. Ich bin sehr motiviert und auch sehr dankbar, dass Frau Prof.in Binder diese Operation mit ihrem Team durchgeführt hat.“

Bild: Patientin Mondschein mit Dr. Susanne Binder

Wie sieht man mit dem Retinaimplantat?
Das Argus II Retinaprothesensystem stimuliert direkt im Auge die verbliebenen Netzhautzellen und erzeugt so Lichtmuster, die vom Gehirn wahrgenommen werden können. Der Chip vermittelt also kein normales Sehen. Es wird aber möglich, Bewegungen zu erkennen. Er ist vor allem im Freien eine große Hilfe, weil Kontraste wieder wahrgenommen werden können. Durch den Chip kann es zum Beispiel möglich sein, Hindernisse zu erkennen. Eine praktische Anwendung für zu Hause ist, dass die Wäsche in hell und dunkel sortiert werden kann und so selbständiges Wäschewaschen wieder möglich ist.
Bei der Netzhautprothese Argus II werden von einer Minivideokamera, die in einer Brille integriert ist, Aufnahmen der Umgebung gemacht. Diese Bilder werden dann in eine Reihe kleiner elektrischer Impulse umgewandelt und kabellos an eine Reihe von Elektroden, die auf der Netzhaut implantiert sind, weitergeleitet. Die Träger des Implantats müssen erst trainieren, diese Eindrücke richtig zu interpretieren. Dieses Training braucht ein hohes Maß an Konzentration und Disziplin.

14_ImplantatHR_c_SecondSight 17_2D_Eye_picture_legends_DE_c_SecondSight diagram Argus II

Für wen ist diese Behandlungsmethode geeignet?
Die Betroffenen müssen sehend geboren und erst im Lauf ihres Lebens erblindet sein. Sie müssen auf beiden Augen blind sein. Das Implantat ist für eine bestimmte Auswahl degenerativer Augenerkrankungen geeignet, wie Retinitis pigmentosa, Usher-Syndrom, Chorioideremie, Lebersche kongenitale Amaurose, Bardet-Biedl-Syndrom und Zapfen-Stäbchen-Dystrophie. Derzeit wird in einer Studie der Einsatz bei der trockenen altersbedingte Makuladegeneration (AMD) erprobt. Sind diese Voraussetzungen gegeben, wird jedes Auge einzeln getestet. Dabei wird mit einem Fotoblitz das Auge angeblitzt und die untersuchte Person muss erkennen wann und wie oft geblitzt wird. Dieser Test dient der Feststellung, ob sich auf der Netzhaut des Patienten noch genügend intakte lichtempfindliche Zellen befinden. Das ist die Voraussetzung für die Wirksamkeit des Implantats. Wenn dieser Test bestanden wird, ist die Person physisch geeignet.

Was kostet die Behandlung?
Die Kosten für den Eingriff und das Implantat betragen insgesamt 120.000 Euro. In Österreich wird dieses Produkt noch nicht erstattet, da es bisher nicht verfügbar war. Frau Prof.in Binder hat sich persönlich für die Finanzierung der OP bei der Sozialversicherung der Patientin und beim Sozialministerium eingesetzt, die einen Teil der Kosten übernommen haben, den Großteil hat die Krankenanstalt Rudolfstiftung selbst getragen.
Dr. Ernst Schenk, MBA, Ärztlicher Direktor der Krankenanstalt Rudolfstifung erklärt: „Die Augenabteilung der Rudolfstiftung führt jährlich tausende operative Eingriffe durch. Einer der Schwerpunkte sind die Behandlung und Erforschung von Netzhauterkrankungen. Die Durchführung dieser hochkomplexen Operation zeigt, dass mit hochqualifizierten und engagierten Ärztinnen und Ärzten medizinische Spitzenleistungen auf allerhöchstem Niveau möglich sind. Ich bin sehr stolz, dass Frau Prof.in Susanne Binder diese für Österreich bisher einmalige Operation in der Rudolfstiftung initiiert und durchgeführt hat.“

 

Über Second Sight
Second Sight Medical Products, Inc. wurde 1998 gegründet, um eine Netzhautprothese zu entwickeln, die blinden Patienten mit Degenerationen der äußeren Retina wie Retinitis pigmentosa eine Sehfähigkeit ermöglicht. Die Mission von Second Sight ist es, innovative implantierbare Sehprothesen zu entwickeln, herzustellen und zu vermarkten, die blinden Menschen eine größere Unabhängigkeit ermöglichen. Das Argus II Retinaprothesensystem von Second Sight ist in den USA und Europa zugelassen. Derzeit entwickelt Second Sight die Orion™ Cortexprothese, um Patienten, die aufgrund nicht vermeidbarer oder nicht behandelbarer Umstände erblindet sind, ein gewisses Sehvermögen zurückzugeben. Der US-Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Sylmar, Kalifornien, der europäische Hauptsitz in Lausanne in der Schweiz.

Betroffene können sich unter der kostenlosen Telefonnummer: 0800 802208 informieren.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.secondsight.com

Fotos (c) SecondSight

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