Was für ein Goldstück, GOTHA!

Besonders glanzvoll ist Schloss Friedenstein mit seinem einzigartigen Ekhof Theater, dem ältesten barocken Theater der Welt mit originaler Bühnentechnik … und: Hinter dem schlichten Namen des Herzoglichen Museums Gotha verbirgt sich eine sensationelle Ausstellung mit europäischen und außereuropäischen Kunstschätzen von der Antike bis in die Neuzeit.

Besuchen, besichtigen, fertig! Geht nicht, denn der Mythos Schloss Friedenstein wirkt nach, die Geschichten seiner Bewohner, das Rauschen der Blätter von den Baumgiganten der weitläufigen Gartenanlagen um das Schloss herum. Historische Gärten – ein Publikumsmagnet, wobei jene von Gotha in ihrer Bedeutung längst nicht hinreichend bekannt sind. Die englische Parklandschaft mit Seen und Pavillons, sanft gewundenen Wegen und altem Baumbestand darf als die älteste Gartenanlage nach englischem Vorbild auf dem Kontinent gelten, übertrifft noch die in Dessau. Blickachsen beziehen nicht nur die Gebäude, sondern auch die Landschaft mit ein – laden eindeutig zum Lustwandeln ein.

Eine Gartenanlage erstreckt sich auch zwischen dem Schloss und dem Herzoglichen Museum im Süden. So setzt sich das Gartenreich in Gotha aus drei Teilbereichen zusammen – einem englischen Garten, einem barocken Garten und einer Gartenanlage des 19. Jahrhunderts. Ähnlich wie im Barockschloss erschließt sich auch hier im Mikrokosmos der Makrokosmos der europäischen Gartenarchitektur. Jetzt aber wenden wir uns den inneren Schätzen zu!

Das Glöckchen klingelt. Knarzend ruckeln die Kulissenwagen in den Bodenschlitzen, neue Kulissenflügel ziehen auf. In nur acht Sekunden ändert sich das Bühnenbild. Wind und Donner ertönen, die Versenkung öffnet sich: Das Ekhof-Festival ist eröffnet. Für zwei Monate im Jahr, im Juli und August, erwacht die hölzerne Bühnenmaschinerie des barocken Ekhof-Theaters zum Leben und verzaubert ihre Zuschauer. Zwölf bis fünfzehn Kulissenschieber arbeiten an der Illusion.

 

Das Ekhof-Theater ist das älteste barocke Theater der Welt mit originaler Bühnentechnik aus dem 17. Jahrhundert. 1681 bis 1687 entstand es im Westturm des riesigen Schlosses, das 1643, am Ende des Dreißigjährigen Krieges, als Residenz der Herzöge von Sachsen-Gotha erbaut wurde. Besichtigen Sie dieses Juwel der Theatergeschichte mit seiner hölzernen Schnellverwandlungsmaschinerie aus dem 17. Jh. und besuchen Sie die Ausstellung zu seiner Geschichte.

Damit die Kulissen, der Rückprospekt und die „Soffitten“, die die Bühne nach oben abschließen, gleichzeitig verwandelt werden können, sind alle Teile mit einem ausgeklügelten System von Seilen und Wellbäumen verbunden. Innerhalb von Sekunden kann das komplette Bühnenbild ausgewechselt werden. Effektmaschinen wie Flugwerke, Versenkungen, und Windmaschinen ergänzen das barocke Theatervergnügen.

Glück hat der, dem der Blick ins Innere bzw. in die Unterwelt gewährt wird – ein Labyrinth aus Kurbeln, Schiebevorrichtungen, und inmitten ein Tisch, hier spielen die Kulissenschieber Karten, und wenn besagtes Glöckchen erklinget machen sie sich ans Werk, Illusionen zu schaffen, vom Donner bis zum Regen, ob Kerker oder arkadische Gärten … Nach längerer Pause zeigte das Ekhof-Theater wieder eine barocke Oper: Marc’Antonio e Cleopatra, Serenata von Johann Adolph Hasse. Der Oper versetzt in eine andere Welt – grandios dargeboten, und genial gesungen.

Das Schlossmuseum Gotha ist Teil der seit 1643 entstandenen Anlage von Schloss Friedenstein, deren Einrichtungen und Sammlungen gemeinsam als „Barockes Universum Gotha“ auftreten. Bis heute haben sich hier weitgehend unverändert die historischen Schlossräume und große Teile der Sammlungen erhalten. In die Besichtigung einbezogen sind die außergewöhnlich prachtvoll ausgestatteten Wohn- und Repräsentationsräume aus Barock, Rokoko und Klassizismus, die sich über vier herzogliche Appartements erstrecken. Zudem werden vor dieser authentischen und prachtvollen Kulisse Bestände einer über 350-jährigen Sammlungstradition präsentiert.

Dazu zählt unter anderem die Kunstkammer, die Keimzelle aller Gothaer Sammlungen, die bereits Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1601 – 1675) begründete, der Stammvater der Dynastie.

In ihr vereinigten er und seine Nachfahren sowohl alten ererbten Kunstbesitz seiner kurfürstlich sächsisch-ernestinischen Vorfahren als auch beständige Neuerwerbungen über Jahrhunderte. Durch diese lange Sammlungstradition erwarben sich die Bestände ihren internationalen Ruf. Zu den Glanzlichtern neben Kunstwerken aus Elfenbein, Bernstein, Silber und Email zählt unter anderem ein Elefant aus vergoldetem Silber aus der Werkstatt des weltberühmten Goldschmieds Johann Melchior Dinglinger (1664 – 1731) oder aber ein originaler Hut aus dem Besitz von Kaiser Napoleon I. (1769 – 1821).

Am Fuß von Schloss Friedenstein wurde zwischen 1864 und 1879 das Herzogliche Museum im ebenso eleganten wie pompösen Stil des Historismus errichtet. Außen wie innen hat sich die hervorragende Architektur weitgehend bis ins Detail erhalten. Die Sammlungen gingen hervor aus der Sammelleidenschaft der Gothaer Herzöge und vereinen heute ägyptische Mumien, antike Vasen, Skulpturen und Goldschmuck, Korkmodelle antiker römischer Bauten aus dem 18. Jahrhundert und Kunstschätze aus China und Japan. Zu den Höhepunkten zählen sicher die niederländischen und deutschen Gemälde mit Werken von Peter Paul Rubens, Jan van Goyen, Lucas Cranach dem Älteren und Caspar David Friedrich. Einzigartig aber ist das weltberühmte „Gothaer Liebespaar“, ein ebenso mysteriöses wie künstlerisch herausragendes Gemälde der Vor-Dürer-Zeit.

Ins rechte Licht gerückt sind auch Bildwerke von Conrad Meit und Adriaen de Vries, vor allem aber die Skulpturen Jean-Antoine Houdons: Die weltweit größte Sammlung an Werken dieses sensiblen französischen Bildhauers des Klassizismus außerhalb Frankreichs befindet sich in Gotha. Bemerkenswert sind auch die keramischen Sammlungen in Gotha, die italienische Majolika des 16. Jahrhunderts, Böttgersteinzeug und Meissener Porzellan des 18. Jahrhunderts umfassen. In den farbigen, in neuem Licht inszenierten Räumen präsentiert sich so eine historische, vielfältige und qualitätvolle Sammlung dem modernen Publikum und lädt Jung und Alt zum Entdecken ein.

Herzogliches Museum Gotha, Gemäldegalerie, Altdeutscher Saal mit dem Tafelaltar und Liebespaar, Stiftung Schloss Friedenstein

HOTELTIPP: Hotel am Schlosspark , Lindenauallee 20, 99867 Gotha, www.hotel-am-schlosspark.de
Ein sehr feines Haus, direkt am Schlosspark.

Fotos: Titelbild: Martin Kirchner / Thüringer Tourismus GmbH; Elisabeth Stadlbauer, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha; Lutz Ebhardt / Stiftung Schloss Friedenstein Gotha ; Theater: Martin Krichner / Thüringer Tourismus GmbH; Schloss Friedenstein in Gotha, Barockes Universum (c) CMR/Udo Bernhart, Hotel am Schloßpark