Die Abendsonne taucht die Dolomiten in ein magisches Licht – der krönende Abschluss eines jeden Tages im Südtiroler Eggental – einer kleinen, aber sehr feinen Wintersportregion …

Zu den bezaubernden Landschaften, die das Herz eines jeden Naturfreundes höher schlagen lassen, gehört auch das Südtiroler Eggental und die Hochfläche über dem Etschtal im südwestlichen Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Dolomiten. Bereits Le Corbusier bezeichnete Letzteres als „schönste natürliche Architektur der Erde“. Zwei der bekanntesten Bergmassive der Dolomiten befinden sich im Eggental und machen es zum Traumziel für Alpinisten: Rosengarten und Latemar. In dieser imposanten und sagenumwobenen Bergwelt ist wahrlich jeder Urlaubstag etwas Besonderes. Am Fuße des Latemars, auf 1550 Metern, liegt auch Obereggen, ein reizendes 100-Seelen-Dorf mit optimaler Lage für einen Winterurlaub – nur 20 Autominuten von Bozen entfernt.

Zu Fuß auf die Piste. Das kleine, gemütliche Obereggen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem modernen Skiort gemausert, der von der Nähe zur beeindruckenden Latemargruppe (2.846 Meter) – dem sogenannten „Hausberg“ von Obereggen – profitiert. Mit nur einem Schritt aus dem Hotel sind die Lifte des Ski Centers Latemar, dem größten Skigebiet im Fleimstal (ital.: Val di Fiemme), erreicht. Skifahrer aller Könnerstufen kommen hier auf ihre Kosten: Während die breiten, sonnigen Hänge direkt oberhalb von Obereggen Genussabfahrten mit herrlichem Panoramablick ermöglichen, wartet am Hochplateau Zanggen (ital.: Pala di Santa) ein eher anspruchsvolleres und kupiertes Gelände. Auch im Schatten des Gipfelgrates in Richtung Predazzo gibt es grandiose Steilhänge für Actionliebhaber. Wer es ruhiger mag, ist auf den zahlreichen Wanderwegen und Loipen in Deutschnofen und am Lavazé-Pass, einer Hochebene auf 1.800 Metern zwischen Trentino und Südtirol, bestens aufgehoben.

Die Kunst des Schneemachens. Dank des Klimawandels ist auch auf Frau Holle kein Verlass mehr. Die Zeiten, dass die weiße Pracht zum Saisonstart vom Himmel fällt, sind wie in den meisten Skigebieten auch im Eggental vorbei. Sobald im Spätherbst der erste Kälteeinbruch erfolgt, müssen daher die Schneemacher ans Werk. Rund vier Tage brauchen sie bei entsprechenden Kältegraden, um das komplette Skigebiet in Obereggen mit einer soliden Schneeschicht zu bedecken. Die künstliche Beschneiung ist eine Wissenschaft für sich, ohne die der Wintertourismus keine Zukunft hätte. Die Kunst dabei ist, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen: Neben der Außentemperatur müssen die Menge und die Temperatur des Wassers sowie die Luftfeuchtigkeit stimmen, damit sich das zerstäubte Wasser in perfekte Eiskristalle verwandelt.

Berghütte als Architekturjuwel. Es ist nicht so, dass es im Skigebiet von Obereggen an Einkehrmöglichkeiten mangeln würde. Ganze zwölf Skihütten verköstigen hungrige Wintersportler mit typischen Südtiroler Köstlichkeiten wie Speckknödel und Kaiserschmarrn. Von urigen Traditionshütten bis hin zu modernen Lifestyle-Betrieben wie der Baita Gardoné mit Ausblick auf die Lagorei-Gebirgskette ist alles geboten. Eine Adresse sticht jedoch besonders heraus: Die 2016 eröffnete Oberholz-Berghütte auf 2.096 Metern Höhe. An einen umgestürzten Baum soll der moderne Baukörper erinnern: Ein dicker hölzerner Stamm mit drei Ästen, die abgeschnitten in die Landschaft ragen. Geradezu fotogen schmiegt er sich zwischen Oberholz-Bergstation und Skipiste an den Hang. Ein wenig Fantasie braucht es aber schon, um der Idee der Architekten Peter Pichler und Pavol Mikolajcak folgen zu können. Überdimensional groß muss der Baum gewesen sein, der nun mit voll verglasten Stirnseiten einen grandiosen Ausblick auf das Bergpanorama gewährt. Zu einem solchen Bau sollte natürlich auch die Küche passen: Bereits legendär ist das Risotto von der Obereggener Latschenkiefer mit Büffelmozzarella und geräuchertem Rind.

König Laurin und das Alpenrot. In Obereggen wird Skifahren zum Hochgenuss – nicht nur wegen der hervorragenden Wintersportbedingungen und der schmackhaften Südtiroler Küche, sondern weil dort die Berge rosarot glühen. Das Naturschauspiel beginnt kurz nachdem die Lifte schließen, wenn die letzten, tief stehenden Sonnenstrahlen die weißen Berge in ein magisches Licht tauchen: von lieblich rosa bis feuerrot. Das sogenannte „Alpenglühen“, auf Ladinisch „Enrosadina“ genannt, gab auch dem Bergmassiv Rosengarten seinen Namen. Obwohl längst bekannt ist, dass das Naturspektakel durch den hohen Gehalt an Kalziumkarbonat und Magnesium im Dolomitgestein entsteht, wird die Sage um Zwergenkönig Laurin noch immer gern erzählt. Ihr zufolge war der Rosengarten vor seinem Palast sein größter Stolz. Er hegte und pflegte seine Rosen bis er sie schließlich mit einem Fluch belegte, der ihre Schönheit bei Tag und auch bei Nacht vor dem menschlichen Auge verstecken sollte. Dabei vergaß er jedoch, die Dämmerung in seinen Fluch mit einzubeziehen, sodass sein Rosengarten bis heute noch bei Sonnenuntergang rosenrot „erblüht“ bzw. glüht.

Ein Blick zum Mann im Mond. Wer im Anschluss noch weiter in die Sterne schauen möchte, sollte dem kleinen Örtchen Gummer bei Karneid auf der gegenüberliegenden Seite des Eggentals einen Besuch abstatten. Dort befindet sich das erste und einzige Sternenobservatorium Südtirols, das nach dem in Bozen geborenen Raumfahrtpionier Max Valier benannt ist. Die Hauptattraktion der Sternwarte ist das 3.500 Kilogramm schwere Cassegrain-Spiegelteleskop, das in klaren Nächten die Welt der Gestirne beeindruckend nah heranholt.

Reiseinfos für Ihren Winterurlaub in Obereggen

Anreise: Mit dem Auto gelangt man von Innsbruck über die Brennerautobahn (A22) nach Bozen. Von der Ausfahrt Bozen Nord/Eggental über die Dolomitenstraße bis nach Birchabruck, rechts abbiegen und nach Obereggen fahren. Die Anreise per Fernbus oder Zug führt ebenfalls über Bozen. Von dort mit dem Linienbus oder Hotelshuttle weiter ins Eggental.

Skigebiet: Im Ski Center Latemar (1550 bis 2500 Meter), mit den Gebieten Obereggen, Pampeago und Predazzo warten 49 Pistenkilometer, 18 Liftanlagen und ein Snowpark (3x wöchentlich Nachtskifahren bei Flutlicht). 200 Schneekanonen sorgen für eine 100-prozentige Beschneiung. Bei mehrtägigem Skifahren lohnt sich ein Skipass für den Verbund Obereggen/Val di Fiemme, der die Skizentren Latemar, Alpe Lusia, Alpe Cermis und Jochgrimm-Oclini vereint (insgesamt 111 Pistenkilometer). Tagesskipass für Erwachsene ab 46 Euro. Saisonende: 22. April 2019.

Unterkunft: Auf einem sonnigen Hochplateau, direkt unterhalb des Latemarmassivs, liegt das familiengeführte Hotel Cristal. Es befindet sich direkt an einer Ski- und Rodelpiste und bietet somit eine ausgezeichnete Lage für Wintersportfans. Nach einem sportlichen Tag im Schnee entspannen Körper und Geist im neuen Wellness- und Spa-Bereich. DZ mit HP ab 130 Euro/ inkl. Parkplatz.

Einkehren: Allerlei regionale und saisonale Köstlichkeiten gibt es in der Berghütte Oberholz: vom Südtiroler Speckbrettl zum Tatar vom Weideochsen bis hin zur rosa gebratenen Fiorentina. Die Baita Gardoné – The Mountain Riviera ist eine Oase der Ruhe auf 1.700 Metern und bietet eine spektakuläre Aussicht auf die „Bergriviera“ der Lagorai-Gebirgskette. Besonders zur „Aperitivo Zeit“ ein beliebter Treffpunkt. Die renovierte Skihütte Mayrl Alm befindet sich mitten im Ski Center Latemar. Auf der windgeschützten Sonnenterasse, im Self-Service oder À la carte Restaurant und an der Schneebar gibt es Pasta, Wild und mediterrane Fischgerichte. Ob morgens um 10 Uhr zum Aperitif, zur Mittagsjause oder zum Après Ski, auf der Ganischger Alm ist immer etwas los. Seit über 20 Jahren ist sie mit der Schirmbar der Après Ski Hot Spot des Skigebiets.

Aktivitäten: Auf Langlaufbegeisterte warten über 100 Loipenkilometer aller Schwierigkeitsgrade. Besonderer Tipp: der Lavazé-Pass in 1800 Meter Höhe. Bei einem Helikopter-Rundflug von Heli Union lassen sich die Dolomiten sogar aus der Vogelperspektive bestaunen. Skisafaris und Freeride-Ausflüge werden ebenfalls angeboten. Insgesamt bietet das Skigebiet über 100 Kilometer an geräumten Winterwanderwegen. Eine leichte Wanderung von Obereggen zu den Eggentaler Almen startet an der Kabinenbahn Ochsenweide. Insgesamt fünf Rodelbahnen unterschiedlicher Längen befinden sich zwischen den Skigebieten Obereggen und Carezza. Die Rodelbahn Epircher Laner Alm in Obereggen wurde vom ADAC als eine der sichersten in ganz Europa ausgezeichnet. Rodelverleih im Hotel oder bei Ski & Snowboard Service Siegfried an der Talstation Obereggen. Unterhalb des Latemars wartet mit dem Alpine Coaster Gardoné eine 980 Meter lange Schienenrodelbahn. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40km/h geht es schwungvoll den verschneiten Berg hinunter.

Auskunft: Weitere Informationen gibt es beim Tourismusverband Eggental Tourismus und über die Webseiten von Obereggen und dem Ski Center Latemar.

Spezial-Tipp: Mit dem „Be the first“-Angebot können Frühaufsteher an jeden Mittwoch im März schon ab 7 Uhr erste Schwünge auf den frisch präparierten, unangetasteten Pisten ziehen. Los geht es mit einem „Flying Breakfast“ am Oberholz-Lift. Danach erkundet man mit Skilehrern die besten Pisten des Skigebiets. 12 Euro/Person exklusive Skipass.

Text: Anna Karolina Stock
FOTOS: Titelbild: Ski Obereggen (c) Paolo Codeluppi; weitere: AprèsSki Obereggen (c)Paolo Codeluppi Obereggen Latemar; Hotel Cristal Pool (c) Anna Karolina Stock; Mayrl Alm Obereggen (c) Paolo Codeluppi; Oberholz Food(c) Paolo_Codeluppi Obereggen Latemar; Oberholz Winter (c) Mads Mogensen Obereggen Latemar; Ski Obereggen Caserina (c) Pierluigi Orler Obereggen Latemar; Ski Obereggen (c) Paolo Codeluppi; Snowpark Obereggen (c) F-Tech Obereggen Latemar