Internationaler Standard für mehr Klarheit und Transparenz

Von Tierschutz und lokaler Beschaffung bis hin zu fairem Handel und Kinderarbeit – neuer ISO-Standard soll Vertrauen in ethische Produktkennzeichnungen weltweit steigern

Lokal bezogen“, „nachhaltig  produziert“ oder „mit Liebe hergestellt“ – die Behauptungen auf  Etiketten, die an unser ethisches Gewissen beim Kauf appellieren, sind  in den letzten Jahren astronomisch gewachsen. Woher wissen wir, welche  Behauptungen wahr sind und was sie wirklich bedeuten? Wann sind Angaben  zu Produkten wie „fairer Handel“ oder „ohne Tierversuche“ die Realität  und wann sind sie kaum mehr als ein Marketing-Trick?

Die Fülle solcher ethischen Kennzeichnungen und Kennzeichnungssysteme  erzeugt bei den Konsumenten von Produkten und Dienstleistungen auf der  ganzen Welt Verwirrung und Unsicherheit. In Österreich sorgt seit 25  Jahren das Österreichische Umweltzeichen, das vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) vergeben wird, für Sicherheit und Transparenz. Aber in einer zunehmend  globalisierten Welt, in der Produkte grenzüberschreitend dank  Online-Handel bezogen werden können, wird der Ruf nach einheitlichen  internationalen Standards lauter.

Globaler Online-Handel braucht international einheitliche Standards. Aus diesem Grund hat die internationale Standardisierungsorganisation  ISO die erste globale technische Spezifikation zur Steigerung der  Glaubwürdigkeit solcher ethischen Kennzeichnungen und  Kennzeichnungssysteme veröffentlicht. Die ISO/TS 17033 „Ethische  Ansprüche und unterstützende Informationen – Grundsätze und Anforderungen“ soll so künftig für Klarheit sorgen und Organisationen  die Möglichkeit geben, glaubwürdige, genaue und überprüfbare  Informationen zu ihren Produkten bereitzustellen. Umfasst werden Themen wie Tierschutz und lokale Beschaffung bis hin zu fairem Handel,  Kinderarbeit und vieles mehr.

Marktvorteil durch Standards. Dr. Karl Grün, Leiter des Bereichs Normentwicklung bei Austrian Standards,  weiß um die Wichtigkeit einheitlicher Standards und begrüßt die  internationalen Bemühungen in diesem Bereich: „Es ist erwartbar, dass  über die Lieferkette und den Handel eine entsprechende Nachfrage für  dieses Angebot entstehen wird. Ob sich die ISO/TS 17033 am  österreichischen Markt durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Denn die  Einhaltung und Anwendung ist wie bei jedem Standard im Grunde  freiwillig.“ Doch gerade exportorientierten Unternehmen könnte dieser Standard
einen nicht zu unterschätzenden Marktvorteil sichern. Denn laut einer aktuellen internationalen Studie von Wunderman Thompson legt vor allem  die Generation Z (16- bis 24-jährige) auf ein bewusstes Kauf- und Konsumverhalten wert. Aber auch in anderen Altersgruppen gewinnt der ethische Konsum immer mehr an Bedeutung.

Umweltzeichen schafft Vertrauen in österreichische Produkte. Konsumenten österreichischer Produkte können jedenfalls auf das Österreichische Umweltzeichen vertrauen. „Das Österreichische Umweltzeichen ist ein zentrales Instrument zur Stimulierung einer nachhaltigen Produktion und dient Konsumentinnen und Konsumenten als staatlich autorisierte Orientierungshilfe für einen nachhaltigen
Konsum.  Produkte und Dienstleistungen, Green Events und Meetings, Tourismus-  und Bildungseinrichtungen sind erfasst. Alle ausgezeichneten Produkte  und Dienstleistungen der rund 80
Umweltzeichen-Richtlinien erfüllen nach  strenger Prüfung höchste ökologische, gesundheitliche, soziale und  qualitative Anforderungen. Die Zertifizierung steht für Qualität,  umweltgerechte Produktgestaltung, Langlebigkeit, Gebrauchstauglichkeit  und Normkonformität“, so Ing. Josef Raneburger vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, zuständig für das Umweltkennzeichnung von Produkten.Eine direkte Konkurrenz durch den neuen ISO-Standard zum Österreichischen Umweltzeichen sieht er aber nicht: „Vielmehr unterstützt die ISO/TS 17033 ‚Ethische Ansprüche und unterstützende Informationen – Grundsätze und Anforderungen‘ die nationalen Umweltzeichen in diesen Bereichen.“

Ein „Label-Kompass“ bietet Orientierung im Label-Dschungel. Hilfestellung für einen nachhaltigen Einkauf bietet in Österreich auch der Label-Kompass auf www.bewusstkaufen.at.  Der Online-Service des BMNT listet dort über 200 ethische Labels im  österreichischen Handel und zeigt auf, welche davon tatsächlich  empfehlenswert für den nachhaltigen Einkauf sind. „Wer sich direkt beim Einkauf informieren möchte, findet mit der praktischen Suchfunktion auf der mobil optimierten Seite jedes Label auf  Anhieb. Übersichtliche Bewertungspfeile im Ampelsystem geben
einen raschen Überblick, wie empfehlenswert das Gütezeichen ist. Die Einstufung erfolgt durch unabhängige Expertinnen und Experten, die jedes  Label nach seinem Anspruch, seiner Unabhängigkeit und seiner Transparenz beurteilen. Eine einfache Checkbox zeigt auf, welche nachhaltigen Kriterien es in der jeweiligen Produktkategorie gibt und welche davon das Label erfüllt. So kann man auf einen Blick
erkennen,  welche Gütezeichen besonders strenge Standards setzen. Die Datenbank  wird regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht, wodurch hohe Aktualität  und Relevanz gewährleistet sind“, erklärt Dr. Barbara Schmon, Verantwortliche für die Plattform beim BMNT.

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